Der Katamaranmarkt boomt, die grossen Hersteller freut’s. Vor sechs Jahren haben sich ein paar Schweizer Pioniere mit Swisscatamarn aufgemacht, der übermächtigen Phalanx der vorwiegend französischen Marken die Stirn zu bieten. Ein mutiges Unterfangen, das selbst durch die letzten Krisenjahre im weltweiten Werftbusiness nicht gebremst werden konnte. WAVES zieht heute eine erfreuliche Zwischenbilanz…

Rund fünf Jahre ist es her, als WAVES-Mitarbeiter Bruno Cianci einen der ersten Swisscats in der Türkei probesegelte. Das Konzept aus der Feder von Sébastien „Seb“ Schmidt überzeugte in allen Bereichen, Projektleiter Christophe Buholzer hatte mit seinem Wissen und dem Qualitätsmanagement eine reife Leistung vorgelegt und Investor Jürg von Ins hatte mit Geld und Wissen aus dem Cat-Business die Grundlagen für das junge Unternehmen gelegt. „Ich wollte einfach schneller und komfortabler segeln und mir nicht immer die Birne an der Decke stossen,“ formuliert es der 1.92 cm grosse Basler salopp. „Und da Derartiges auf dem Markt nicht zu finden war, beschloss ich, es halt selbst zu machen“.

Der heutige IST-Zustand unterscheidet sich durch einige wenige, aber wichtige Änderungen von der damaligen Struktur. Mit dem Wechsel von der türkischen Werft nach Süd- frankreich zu SCC (Société de construction composite) bleibt man noch näher am Kun- den und die Personalisierungsprojekte gestalten sich besser und einfacher im Handling. In der neuen Werft in Balaruc-les-Bains (Languedoc-Roussillon) entstand damit so etwas wie ein “Cat Competence Center”, für Neubau, aber auch für Refit und Custom-Umbauten. Noch fertigt Swiss Cat pro Jahr nur ein Exemplar der hochwertigen SC-Flotte, doch schon bald können es mehr werden. Denn nach den Starterfolgen und Bestellungen für das 45er-Modell legte Swiss Cat mit dem 55er ein weiteres Erfolgsmodell auf. Zur Zeit schliesst ein 65-Füsser das Modellangebot nach oben ab. Auch eine mastlose, elektrische Version ist realisationsbereit: der Swisscat ePower von Architekt Philippe Rivière soll eine Autonomie von 1400 Meilen dank Elektroantrieb und Solarzellen haben und 16 Knoten Spitzengeschwindigkeit erreichen.

Doch zurück zum Segelbereich. Die Swiss Cat-Modelle wurden in den letzten Jaren immer weiter perfektioniert und gelten heute als ausgereifte Yachten ihrer Klasse. Auch Jürg von Ins ist zufrieden. Das grosszügige Volumen kommt seiner Kopffreiheit entgegen, schnell segeln ist dank den Racing-Rümpfen von Seb Schmidt und dem Squarehead des Grosssegels auch abgehakt. Weltenbummler “Bubu” Buholzer hat dank dem Projekt eine Art festen Hafen gefunden. Er, der quasi als moderner Corto Maltese seit 30 Jahren auf allen Weltmeeren unterwegs war und bei Werften in den USA, in der Schweiz, Neuseeland und der Türkei gearbeitet hat, kümmert sich mit der Passion eines Präsizionsuhrmachers um die Kinder seiner Swisscat-Familie. “Die Qualität liegt mir sehr am Herzen, in Balaruc kann ich auf hochqualifizierte Mitarbeiter zählen, die ihr Handwerk verstehen. Ich weiss die Yachten in guten Händen, das lässt mir sogar etwas mehr Freizeit als früher.” Als Hobby schnitzt sich Buholzer übrigens Möbelunikate mit traditionellem japanischen Holzwerkzeug.

Kampf gegen Vorurteile

Fahrtenkats hatten immer mit pauschalen Verurteilungen zu tun. Einerseits sahen sie mehrheitlich aus wie Strandbunker einer militärischen Befestigungslinie, hocken bei wenig Wind wie müde Elefanten im Sand und waren bei mehr Wind zum Ruhigliegen vor Anker oder im Hafen verdonnert. Hinter diesen Negativkischees blieben die nicht von der Hand zu weisenden Vorteile ungesehen: jede Menge Platz, stabile Lage, einfaches Dinghy-Handling. Seit einiger Zeit nimmt die Zahl der zügig segelnden Katmodelle erfreulich zu – es braucht ja nicht gleich ein foilender Gunboat-Cat zu sein. Swiss Cat-Kunden und die überführungscrews haben sich längst an sportliche Geschwindigkeitszahlen gewöhnt. Buholzer segelt selbst bei Mistral und Wellen locker vor dem Wind und erzielt Spitzenspeeds von 30 Knoten. Geht es auch langsamer? Ja, bei 25 Knoten Wind ist man immer noch mit 20 Knoten unterwegs, so schafft man 270 Meilen am Tag – ohne Risiko, mit einem Reff im Gross, sicher und relaxt.

Swisscatamaran Concept – made in France

Ist das nicht ein Widerspruch? Anscheinend nicht, denn wenn das gedankliche Konzept und die technischen Pläne gut durchdacht sind und Schweizerisches Ingenieur- und Designwissen einfliessen, ist der Produktionsort eigentlich zweitrangig. Hauptsache, die Leitung und Kontrolle bleiben bei den “Suisses”, so kann eine moderne Werft entweder in der Türkei oder in Frankreich die hohen Ansprüche der Auftraggeber erfüllen. “Mit unserem Produktionsstandort im Süden Frankreichs fühlen wir uns fast wie zu Hause, für unsere Genfer Crew gibt es weniger Sprach- oder Verständigungsprobleme,” meint Von Ins, der als Basler die “douce France” längst als ein liebgewordener Nachbar schätzt. Das Marketingteam von Swiss Cat wird durch Denis Cressant verstärkt. Er ist der Vater von Julien Cressant, den man nicht nur in Frankreich als erfolgreiches Crewmitglied von vier America’s Cup Kampagnen, Transat Jacques Vabre und Route du Rhum kennt. Er testet die Yachten auf Herz und Nieren, wenn sie ins Wasser kommen.

Value for money

Wo Swiss draufsteht, darf man zu recht auch sprichwörtliche Qualität und innere Werte erwarten. Dass mit dem Schweizerkreuz auch ein höherer Preis mitgeliefert wird, versteht sich von selbst. Aber was heisst schon teuer? Die Swiss Cats sind als Langfahryachten konzipiert und gebaut und keine Chartermodelle für domestizierten Feriengebrauch mit langen Liegezeiten. Das Herstellungsprozedere mit carbonverstärkten Zonen, die hohe Verarbeitungsqualität und die Ausrüstung der Extraklasse (Carbonmast, Kevlarrigg, Harken) machen aus jeder Yacht ein handfestes Stück Luxusgut, bei dem jedoch bereits vieles inbegriffen ist, was sonst als Aufpreis zu Buche schlägt (Generator, Watermaker, Air Condition, Heizsystem, Elektronik, Anti-Fouling).

Im Ganzen gesehen bekommt man bei Swisscats ein schlüsselfertiges Schiff, startklar zur Weltumsegelung. Schliesslich haben die Verantwortlichen bereits so einige Salzwassermeilen auf dem Log und wissen, was so ein Schiff in der weiten blauen Welt erwartet. Wissenswertes Detail: der Stauraum ist so konzipiert, dass eine achtköpfige Crew ohne Hungern und Dursten 20 Tage an Bord leben kann.
Also dann, Leinen los!

Swiss Cat Yachts
F-34540 Balaruc les Bains
France
www.catamaran-swisscat.com