2014 gelang Michael Tobler eine kleine Sensation. Als kompletter Newcomer der Branche holte er sich mit seiner Saphire 27 auf Anhieb den European Yacht Award in der Kategorie “Special Yachts”. An der diesjährigen Interboot in Friedrichshafen feierte die Cruise-Version des erfolgreichen Saphire-Konzepts ihre Premiere. Marketing-Idee oder wirklich eine eigenständiges Modell? WAVES wollte es wissen und segelte die Neue noch vor der Messe.

Mit Kompromissen ist das immer so eine Sache – meistens sind sie weder das eine noch das andere. Bestes Besispiel sind die vielen Cuiser/Racer-Kombinationen, die sich in allen Dimensionen auf dem Bootsmarkt tummeln. Und da Michael Tobler kein Mann von halben Sachen ist, hat er die eher sportlich orientierte Saphire neu überdacht und als Cruiser konzipiert. Mit dem Verzicht auf das extrem weit ausgestellte Grosssegel opferte er visuell den sportlich-aggressiven Look der Sportversion, die Tücher werden jetzt von einem Alustatt einem Karbonmast getragen. Dafür geht es unter Deck etwas komfortabler zu und her, das Ganze macht jetzt einen fast wohnlichen Eindruck. Hier sind die Rohrkojen im Regattastil verschwunden und haben einer normalen Doppelkoje Platz gemacht. Der Ausbau kommt um einiges aufwändiger daher, die Möbelformen für Kocher, Spülbecken oder WC
wurden direkt einlaminiert. Geblieben sind clevere Ideen wie die praktischen Taschen, die zu Hause gepackt und als Schrankersatz an den Bordwänden befestigt werden. Oder die Rückenpolster-Rollen des Salons, die auch fürs Cockpit draussen passen. Sehr schön auch die Hochglanz-Deckenverkleidung. Mein spontaner Eindruck: als Wohnraum holt die Cruise-Version mehr Pluspunkte als die vor drei Jahren getestete Ur-Saphire.

Spass pur

Der Titel nimmt bereits vorweg, was als Fazit nach diesem Segelnachmittag feststeht. Die Saphire Cruise kommt ja auch rasch zur Sache, kaum sind die Segel gesetzt. Man kann den Motor gar nicht schnell genug abstellen, so sehr freut sich diese Spasskiste aufs Segeln. Apropos Motor: statt einem Aussenborder, der unnötig Gewicht ans Heck bringt (und auch sonst irgendwie störend im Gesamtbild auftaucht), bietet sich freier Platz vor der Cockpitwanne als perfekter Arbeitsort für einen elektrischen Torqeedo Pod-Motor an. Es geht kein Stauraum verloren und Motor und Batterie sind unsichtbar. Jetzt sind die gut geschnittenen Dacrontücher oben, die Cruise springt nach dem Dichtholen sofort an. Ein perfekter Segeltag: es bläst ein frischer Wind über den Vierwaldstättersee, an den engeren Stellen freuen sich bunte Kitesurfer über den Düseneffekt. Mit Michael Tobler als Vorschoter kreuzen wir zuerst Richtung Brunnen hoch. Nach einigen Minuten Angewöhnungszeit weiss ich, was die Cruise am liebsten mag: immer schön an der Windkante segeln, in Böen Tempo machen und immer möglichst aufrecht halten. Der höhere Ballstanteil im Kiel tut ihr gut und ist Voraussetzung für die Einstufung in die CE-Normkatergorie B (Offshore).

Aber jetzt sind wir noch auf einem Alpensee und der hat durch die Berge so seine Tücken. Wir kreuzen munter hin und her, manchmal sehr nah an den steil aufsteigenden Felswänden, an jeder Ecke bläst es etwas anders. Topographie-Segeln nennt das Tobler, er kennt sein Heimrevier Urnersee aus dem Effeff. Hart am Wind vermisse ich das Squarehead-Segeln überhaupt nicht. Im Gegenteil, mit dem normal geschnittenen Gross lässt sich bei mehr Wind sogar leicht mehr Höhe fahren. Tobler hat das im direkten Vergleich ausprobiert und akribisch analysiert – wer sich für die Details interessiert, findet die Auswertung des Kopf-an-Kopf-Rennens der Modelle Sport und Cruise auf der Saphire-Website. An der Pinne zählt jedoch nur das Hier und Jetzt, und das ist wirklich vergnüglich. Die Cruise ist bei weitem keine zahnlose oder irgendwie gebändigte Rennversion, sie hat es faustdick hinter den Ohren. Sie besitzt eben gute Gene, da hat Designer Claudio Maletto tadellose Arbeit geleistet. Michael musste jede Menge an Feedback bringen, die Maletto in das Finetuning der Cruise einfliessen liess. Wie perfekt das umgesetzt wurde, zeigt sich, als wir vor den Wind gehen. Kaum ist der Gennaker getrimmt, wird es berauschend. Die Alpenkulisse zieht wie im Flug vorbei, touristische Highlights wie Rütliwiese und Tellskapelle nehme ich nur am Rande wahr. Auch die Kitesurferzone durchbrettern wir mühelos, man wähnt sich fast unter Kollegen. Diese kleine übertreibung sei erlaubt, denn uns beide verbindet doch das gleiche Gefühl, übers Wasser zu fliegen. Ich könnte auch alleine segeln, alle Schoten und Leinen laufen ins Cockpit, wenn dann noch zwei zusätzliche Winschen wie in dieser Eignerversion montiert sind, hat der Solosegler alles, was er braucht, um glücklich zu sein. Das Bergesystem von Deckchute ist dabei eine willkomme Unterstützung.
Vor lauter Segelhochgefühl vergesse ich das Fotoboot. Dort hat man die Bilder im Kasten, jetzt ist die Waves-Drohne an der Reihe und die liebt nicht so viel Wind. Auf dem Weg zu etwas windärmeren Seezonen erzählt mir Michael über seine Translémanique, die er solo absolviert hat. Das Strahlen im Gesicht, das Glänzen in den Augen – er ist selbst sein bester Testimonial, wenn es darum geht, die Markenwerte seiner Saphire zu vermitteln. Auch ist er längst nicht mehr alleine, am Quai d’Honneur vor der noblen Société Nautique de Genève durfte eine ganze Armada von Saphires festmachen.

Nun ist die Drohne in der Luft und wir spulen nochmals das ganze Manöverprogramm ab. Segeln ist nicht unbedingt ein Zuschauersport, das muss man am besten selbst erleben. Trotzdem hoffe ich, dass die Aufnahmen etwas von dem rüberbringen, was die Seele des Segelns ausmacht. Eins werden mit Wind und Wasser, Zeit und Raum vergessen. Die Endlos-Rollfockanlage von Bartels, die Deckchute, das zentrale Hebesystem, der feste Baumniederholer usw. – das alles hat Zeit für nähere Betrachtungen, bis wir wieder in
der Marina Sisikon sind. Noch wird jede Sekunde ausgekostet. Denn im Gegensatz zu unserer Drohne, deren Batterien erschöpft sind, spüre ich, wie sich meine Batterien von Minute zu Minute mehr aufladen. Pure Sailing – das beste Energieprogramm der Welt!

Die harten Fakten

Was jetzt kommt, tut der Begeisterung keinen Abbruch. Mit einem Basispreis ab EUR 49.980 steht die Saphire Cruise segelfertig (inklusive Seezaun für Kat. B) bei der Delphia Werft in Polen. Damit bekommt man einen Cruiser, der auch gleiten kann. Ein bestens verarbeitetes, im Sandwich-Handauflegeverfahren mit Vinylesterharz konstruiertes Schiff, bei dem auch bei der Decksausrüstung nicht gespart wurde. Mit vier Schlafplätzen für Familie oder Freunde ist die Saphire weit mehr als ein Daysailor, fast schon ein Weekender.
Zur Easy-Philosophie gehört auch, dass die Spasskiste trailerbar ist und geslippt werden kann. Mit dem internen Hubmodul schwimmt sie auch dort, wo man etwas mehr als 100 Zentimeter Wasser misst. Was will man mehr? Oder dann doch gleich ans Meer?

Saphire AG
Krähbühl 15
CH-6403 Küssnacht

www.saphireboats.com